Vertreibung und Hunger, eine schlechte Sicherheitslage sowie sinkende internationale Zuwendungen: Die Lage im Südsudan hat sich in diesem Jahr nochmals verschärft. Wie dem Hunger, der Vertreibung und den Krankheiten vor Ort mit Misereor-Hilfsprojekten begegnet wird, will Freiburgs Erzbischof Stephan Burger vom 4. bis 11. September in dem knapp 13 Millionen Einwohner großen afrikanischen Land erfahren. „Die schon viel zu lange andauernde Not der Menschen kann uns nicht unberührt lassen. Wir wollen und müssen tätig werden, also vor Ort akut und strukturell helfen“, sagt der innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz für Misereor zuständige Bischof vor seinem Abflug in Richtung Südsudan. Vor Ort geht es um die Projektthemen berufliche Bildung, Nothilfen, Gesundheitsversorgung sowie den Schutz von Frauen und Minderjährigen.
Deutschen Staatsangehörigen, die sich im Südsudan aufhalten, empfiehlt das Auswärtige Amt derzeit dringend die Ausreise – vor Reisen in das afrikanische Land wird aktuell gewarnt. Trotz anhaltenden Spannungen im Südsudan, Terrorismus-Gefahr, einer instabilen innenpolitischen Lage und sehr hoher Kriminalität (siehe auch Info-Kasten unten) gibt es vor Ort noch zahlreiche Helferinnen und Helfer, die Menschen in akuter Not unterstützen sowie mit verschiedenen Projekten eine Verbesserung für die Zukunft erreichen wollen. Diesen Menschen sendet Burger mit seinem Besuch ein klares Signal: „Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit wird bei den Misereor-Projekten gelebt und erlebbar. Das verdient hohe Anerkennung und die größtmögliche Unterstützung.“ Als Misereor-Bischof will er bei der mehrtätigen Reise an verschiedenen Orten den Betroffen auch Hoffnung spenden und gemeinsam mit ihnen für eine bessere Zukunft beten.
Im Umfeld von Konflikten, Vertreibung, Überschwemmungen und wirtschaftlicher Krise
Damit junge Südsudanesen ihr Leben selbst zum Positiven verändern können, widmet sich ein Misereor-Projekt in Malakal, der am Weißen Nil liegenden Hauptstadt des Bundesstaates Upper Nile, der beruflichen Bildung. In dem von Konflikten, Vertreibung, Überschwemmungen und wirtschaftlicher Krise geprägten Umfeld fehlen Ausbildungsangebote für junge Menschen. Gleichzeitig werden in der Region Handwerker dringend benötigt. Ziel der Projektkooperation von Misereor und der Diözese Malakal ist daher der Wiederaufbau und der Betrieb eines Berufsbildungszentrums. Teil der Unterstützung sind der Bau von Werkstätten, zwei davon haben den Ausbildungsbetrieb bereits aufgenommen. Misereor finanziert aktuell den Bau eines neuen Latrinenblocks, da die bisherigen Toiletten von Überschwemmungen zerstört wurden, sowie eine Einzäunung des Geländes. Langfristig soll das Zentrum durch Kursgebühren und bezahlte Werkstattaufträge eigene Einnahmen erzielen, schildert Misereor.
Um ein würdiges Überleben zu garantieren, die Ernährungssituation zu verbessern und die Wiederansiedlung besonders vulnerabler Haushalte zu unterstützen, läuft ein Hilfsprojekt in der Diözese Malakal, das Erzbischof Burger mit der Misereor-Delegation ebenso besuchen will. Geflüchtete werden versorgt, ihnen wird bei der Wiederansiedlung geholfen oder auch im Bulukat-Transitcamp werden sie mit täglichen Lebensmittelrationen unterstützt.
Für Medikamente und eine medizinische Versorgung
Von der Diözese Rumbek umgesetzt wird das Projekt „Verbesserung der Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung in Lakes State, Südsudan“; es unterstützt das Mary Immaculate Hospital in Maquordit, eine der wichtigsten Gesundheitseinrichtungen in dem Bundesstaat Lakes State. Das Einzugsgebiet des Krankenhauses umfasst die Versorgung von rund 250.000 Menschen. Die besonderen Schwerpunkte liegen bei der Gesundheitsversorgung von Frauen und Kindern, der Geburtshilfe, Impfungen, HIV- und Tuberkulosebehandlungen sowie in der Bekämpfung von Mangelernährung. Ziel ist es, die Zahl der ambulanten und stationären Behandlungen zu erhöhen, die Qualität der Gesundheitsdienstleistungen zu verbessern und die Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen und anderen Akteuren zu stärken.
Ebenfalls um die Gesundheitsversorgung geht es in Rumbek. Durch die Unterstützung des Primary Health Care Centre (PHCC) der Diözese Rumbek soll der humanitären Krise begegnet werden. Zu den wichtigsten Projekt-Aktivitäten zählen der Einkauf und die Verteilung von Medikamenten, medizinische Untersuchungen, Angebote für Schwangere, Ernährungsprogramme für Kinder, Impfkampagnen sowie die Versorgung entlegener Dörfer mit Gesundheitsleistungen.
Mit Bildung neue Wege ebnen
Ein Bildungsprogramm der Diözese Rumbek zielt darauf ab, den Zugang zu qualitativ hochwertiger Grund- und Sekundarschulbildung zu verbessern. Die Lernumgebung an Schulen soll ausgebaut, Mädchenbildung gefördert werden. Zugleich gilt es, psychosoziale Unterstützung zu stärken. Konkret vorgesehen sind insbesondere der Bau und die Renovierung von Klassenräumen, Wasser- und Sanitäranlagen, die Ausstattung von Schulen mit Lehr- und Lernmaterialien. Auch Fortbildungen für Lehrkräfte, Workshops zur Menstruationshygiene, für mentale Gesundheit und für Trauma-Bewältigung sind vorgesehen sowie die Stärkung von Eltern-Lehrer-Vereinigungen und die Finanzierung von Lehrergehältern. Der Hintergrund: In der Region mangelt es an Lehrern, Schüler brechen ihre Bildungslaufbahn ab und die Infrastruktur ist unzureichend.
Gefährdete Frauen und Minderjährige werden unterstützt
Die Situation von Frauen und Minderjährigen im Südsudan ist besonders schlimm. Extreme Armut, geschlechtsbasierte Gewalt, mangelnder Zugang zu Rechtshilfe sowie strukturelle Defizite im Justizsystem treffen sie hart. Daher wurde ein Projekt im Bundesstaat Central Equatoria realisiert. Dabei geht es um die „rechtliche und psychosoziale Unterstützung für gefährdete Frauen und Minderjährige in Juba“, die von der Women and Equity Organization (WEO) umgesetzt wird. Regelmäßige Rechtsberatung und gerichtliche Vertretung von Frauen und Minderjährigen, Trauma-Beratung und psychosoziale Begleitung, Workshops zu Rechten und geschlechtsbasierter Gewalt, Schulungen für Polizei, Staatsanwaltschaft und traditionelle Autoritäten sowie Sensibilisierungsmaßnahmen über Radiosendungen und Kampagnen sind Bestandteile des Projekts.
Insgesamt wird die Misereor-Reise sieben Tage umfassen, in denen auch verschiedene Gespräche mit Kirchenverantwortlichen sowie weiteren Vertretern geführt werden.
Kurzinfo:
Anhaltende Spannungen
„In mehreren Landesteilen ist die Situation besonders angespannt. Dies gilt insbesondere für Upper Nile State, Unity und Jonglei State, wo es besonders häufig zu bewaffneten Auseinandersetzungen sowie zu Luftangriffen mit Toten und Verletzten kommt. Daneben finden vermehrt bewaffnete Auseinandersetzungen in den Bereichen Western und Central Equatoria und in der Grenzregion zu Uganda in Eastern und Central Equatoria statt. In diesen Landesteilen kommt es zudem verstärkt zu Entführungen. Ein Übergreifen der bestehenden Spannungen auf andere Regionen in Südsudan mit sehr kurzfristigen Auswirkungen auf die Sicherheitslage in der Hauptstadt Dschuba sowie die Aufrechterhaltung des internationalen Flugverkehrs kann nicht ausgeschlossen werden. In fast allen Landesteilen finden bewaffnete – teilweise massive – Konflikte zwischen Viehhirten statt. Aufgrund der katastrophalen wirtschaftlichen Lage nimmt die Kriminalität stark zu.“
(mf/Botschaft der Bundesrepublik Deutschland, Dschuba (Stand 1. September 2026))
![Quelle: Roman Eisele [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], from Wikimedia Commons](https://se-edith-stein.de/im/img/_KrGYSQLbSrXmS-LWn6dWs6jOevG5f5D_IDuaKtH_IOc5SjVmSlX5fCAbIrRaIHd5d/f,j/kirchenbilder_neu.jpg)